Foto Skizzen, Kommentare, Überlegungen von Assoc. Prof. Dr. Andreas Becker, Tōkyō. Über diese Seite
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2023.02.04

Astrud Gilbertos zauberhafte Zeilen

Astrud Evangelina Gilberto (* 30. März 1940 in Salvador da Bahia, Brasilien) ist die Tochter des deutschen Einwanderers Dr. Fritz Weinert aus dessen Ehe mit der Brasilianerin Evangelina Weinert, geb. Lobão. Ihr Vater war Sprachlehrer und unterrichtete Deutsch und Englisch. [aus: Wikipedia] Gilbertos Bossa Nova/Easy Listening-Songs erkunden die Gefühle, vor allem das des Verliebtseins und der Melancholie der Trennung. Ich mag ihren Gesang, weil er ganz ungewohnt betont, eigentlich eher spricht als singt, manchmal verspielt wie bei einem Kinderlied ist. Ihre Stimme hat eine synästhetische Tiefe und Farbigkeit. Hier einige ihrer schönsten Lyrics:
The Face I Love
Then think of things
Like far off isles
Two blue-green eyes
And sunlit smiles
And in your hand
The wishing star
The one you thought too far above
Every lovely view introduces you
To the face that I love

Das ist schon in den Bildern hüpfend, eine Aneinanderreihung vor dem Reim, eine Vorzeichnung eines Liebeslieds.

The Shadow of Your Smile
The shadow of your smile when you are gone
Will color all my dreams and light the dawn
Look into my eyes, my love and see
All the lovely things you are to me
Diese Details des Lächelns vergrößern sich in der Leidenschaft, dann der Blick und diese Hommage an den abwesenden Anderen.

A Certain Sadness
Look out the window when that rain storm
I let the wind blow up a brain storm
And now I'm wondering
Whether weather like this gets you too
Diese einfache Idee, der Reim rain-brain, der eine assoziative Weite hat, dazu dieser melancholische Gesang.

Agua de beber
Mas o amor sabe um segredo o medo pode matar o seu coração
[Aber die Liebe weiß, dass eine geheime Angst dein Herz töten kann]
Água de beber, água de beber camará, água de beber, água de beber camará
[Trinkwasser, Trinkwasser, Trinkwasser, Trinkwasser, trinken]

Einerseits mystisch, dann wieder ganz banal, wobei ich nicht sicher bin, ob der KI-Translator alles richtig übersetzt hat. Aber der Singsang ist hypnotisch, diese schönen Wiederholungen, die auf eine Weise wie die einer Besessenen sind. Sie muss es aufsagen. Ähnlich ist es bei
Dindi
Wind that speaks to the leaves
Telling stories that no one believes
Stories of love, belong to you and me
Das ist so schön banal, so winkend, dazu dieses Hüpfen der Wiederholung im Refrain.

Cocorvado
Floating on the silence that surronds us

Schweben auf der Stille, die uns umgibt, schöner kann ein Gedicht doch nicht sein.

Far Away
But now you're far away
So far away you're like a distant star away
And even though your hands could touch me if they tried
When love has died, what more is there to say?
Die Gefühle sind zuerst da, aber die Erinnerung klingt nach wie bei einem Stern.

Fly me to the Moon
Fly me to the moon and let me play among the stars
Let me see what spring is like on Jupiter and Mars
In other words
Hold my hand
In other words darling, kiss me

Wieder die Planeten, das kosmische Gefühl des Verliebtseins, ohne Dimension.

Look to the rainbow
Look, look
Look to the rainbow
Follow the fellow
Who follows a dream

Auch hier wieder dieser schöne Übersprung von follow zu fellow. Spielerisch. Das ist immer wieder gut, weil es dieser Anstrengung der Massenmedien, man müsse etwas Besonderes dichten und singen eine Spontaneität entgegenhält. Die Leichtigkeit und Ehrlichkeit der Gefühle ist viel überzeugender als manch ausgeknobelte Zeile.

Manhã de carneval
Depois deste dia feliz
Não sei se outro dia haverá
É nossa manhã, tão bela afinal
Manhã de Carnaval.

»Ich weiß nicht, ob es noch einen Tag geben wird« (»Não sei se outro dia haverá«).

Once I Loved
Because love is the saddest thing
When it goes away
Metaphysik der Liebe!

2023.02.03

Über die Feststellung von Temperament und Ansicht

Es ist üblich, die Meinung mit einem Temperament zu koppeln. Die Frage etwa, was man davon halte, wie man das sehe, arritiert den diskursiven Raum, sie möchte eine Perspektive haben, eine Antwort, die mit der Gefühlswelt (dem Temperament) ineins gesetzt werden kann. Erklärt man sich dann zu einer Sichtweise bereit, so ist man einordenbar. Dann ist also die Weltsicht der Gefühlswelt zugeordnet. Erklärt man sich nicht bereit dazu, weil der Alltag vielstrahlig ist und mehrdeutig, so gilt man vielen Menschen als unseriös. Sie möchten gerne die Vorhersagequalität, dass man so reagiert, wenn sie das und das sagen. Man soll wie ein Roboter fungieren. Viele Menschen erwarten diese Einstrahligkeit im Leben.

Konflikte

Konflikte im Nachhinein zu versöhnen, ist schwierig. Sie im Vorhinein zu verhindern, der bessere Weg. Aber es erfordert eine vage Kenntnis des Anderen, zudem eine Mehrarbeit für den Anderen, so dass dieser keine Ansatzpunkte für einen Konflikt findet. Eine gute Atmosphäre herzustellen, ist immer ein guter Weg, Kompromisse auszuloten, selbst wenn das nicht notwendig erscheint.

2023.02.02

Bob Dylans Theme Time Radio

Wunderbar ist Bob Dylans Radio-Show Theme Time Radio [Link], alles eine Entdeckungsreise, sowieso Folge 33. Countdown[Link].

Das Separatrix-Projekt

Alexander Kluge hat zusammen mit Katharina Grosse ein sehr schönes farbiges Bändchen gestaltet, das Separatrix-Projekt, das Collegenprinzip auf das Buch übertragend, mit vielen OCR-Codes zu Kluges Filmen, 708 Seiten. Ein inspirierendes Buch, das ich nicht aus der Hand geben möchte. [Link Bücher.de]

2023.01.31

Adorno über Ideologie

In seinem Buch Negative Dialektik schreibt Theodor W. Adorno: »Identität ist die Urform von Ideologie.« (Theodor W. Adorno: Negative Dialektik, Frankfurt am Main 1975, S. 151)

2023.01.30

Jimi Hendrix' Produzent Eddie Kramer über die Produktion von All Along the Watchtower

Rosa von Praunheims Härte (2015)

Der Film inszeniert Andreas Marquardts autobiographischen Roman. Eine Schicht wirkt wie ein Dokumentarfilm, die zweite versetzt uns in dessen Kindheit, in eine groteske Phantasiewelt der Lust, die dann immer wieder kommentiert wird. Praunheim ist einer der wenigen deutschen Filmemacher, die Sexualität offen thematisieren. Dass der Film auf Filmfriend zu sehen ist, spricht eindeutig für diese Plattform der Stadtbüchereien. [Link]

2023.01.29

Über die Paradoxien der ›erneuerbaren Energien‹

Eine einfache Rechnung zeigt die Paradoxien der Energiewende, die ganz im Zeichen einer kapitalistischen Mehrwerterzeugung steht und nicht im Sinne des Umweltschutzes, schon gar nicht des Sparens von CO2:
Das Windrad ENERCON E-115 [Link] beispielsweise hat einen Rotor von 115 m, hier nur das Gewicht des Stahls:
100 t Bewehrungsstahl
141 t Rotor
63 t Nabe
91 t Generator
----------------------------
395 t an Stahl, ohne Fundament
Wie die FAZ schreibt, werden »Je Tonne Rohstahl werden rund 1,7 Tonnen an CO2-Emissionen erzeugt.« [Link]. Da Rotorblätter sicherlich nicht nur aus Stahl, sondern auch aus Verbundmaterial sind, rechne ich mal mit einem Stahlgewicht pro Windrad von 350 t, daher wird für die Produktion eines Windrads 595 t CO2 ausgestoßen, nur für den Stahl, ungeachtet des Aufstellens, des Fundaments, der Kupfererzeugung etc. An Land (ohne Offshore!) fanden sich nach einer Statistik 28.230 Anlagen im Jahr 2021 in Deutschland [Link]. Es wurden also insgesamt 16.796.850 t CO2 für diese Windräder in die Atmosphäre gegeben. Man belügt sich und die Menschen, wenn man diese Fakten unterschlägt, wie es meistens geschieht. Natürlich wird dann Energie ohne CO2-Ausstoß produziert (was aber auch nicht ganz stimmt, denn die Anlagen müssen gewartet werden, auch entsorgt müssen sie werden). Was wäre da eine Alternative? Ganz einfach: Sparen. Das geht von heute auf morgen. Den Menschen sagen, dass sie weniger Technik benutzen sollen, die Urlaube weniger, dafür aber länger sein sollten. Im Winter ist es kalt. Dann muss man sich auch in der Wohnung warm anziehen und spart so Energie und vermeidet CO2. Es ist also eine Mentalitätsänderung notwendig. Die wirkt sofort und stößt kein CO2 aus. Aber das hieße verlangsamen, weniger konsumieren. Dadurch würde der Mehrwert gesenkt. Das geht im Kapitalismus nicht.

2023.01.28

Verästelungen des Wissens

Die Suche im Internet fördert zunächst nur Standardtreffer. Wer wenig gelesene und dennoch interessante Bücher finden will, muss sich bestimmter Verfahren bedienen. Ich benutze zwei Verfahren. Zum einen lese ich die Texte intensiv und suche dann nach ungewohnten Stichwörtern und Kombinationen, folge bestimmten Pfaden und Hinweisen aus Fußnoten. Das zweite Verfahren ist ganz praktisch. Ich gehe in die Bibliothek und stöbere. Da habe ich unglaubliche Schätze gefunden. Diese topische Anordung ist durch nichts zu ersetzen. Das Gehen im Wissensraum ist auch ein Gehen im Geiste der Jahrhunderte.

2023.01.27

Über Orte und Atmosphären

Flug von Tōkyō/Haneda nach Frankfurt am Main. Man fliegt wegen des Krieges Russlands gegen die Ukraine andersherum, über die Arktis, bei Anchorage vorbei. Flughöhe meistens um 12 km, 885 km/h schnell, Außentemperatur -51 Grad, über der Arktis -61 Grad, als wir sie passiert haben, ist es sogar noch etwas kälter. Das hängt vielleicht mit Luftströmungen zusammen. In Frankfurt angekommen, ist alle anders. Es sind nicht nur die Menschen, die Architektur, die Geräusche. Es ist viel mehr der Ort. Ich fühle mich anders, weiß nicht warum. Etwas umfängt mich. Die beiden Orte haben eine andere Atmosphäre, der Flug versetzte mich in Atmosphären. Ich kann aber nur schwer thematisieren, was das ist.

Plan 75 (2022) im Flieger


Selten habe ich einen langweiligeren Film gesehen als Plan 75 (2022) von Chie Hayakawa. Der Film spielt in der japanischen Gesellschaft der nahen Zukunft, in der die Seniorinnen und Senioren zur Sterbehilfe erzogen werden sollen. Sie sollen mit Hilfe von Medikamenten sterben, weil die Gesellschaft zu schnell altert. Der Film hat eine depressive Schlagseite. Chieko Baisho spielt Mishi Kakutani, die das nicht will, die aber ihr Leben dahinfristet. Sie lacht nicht und lächelt nicht. Nur ein einziges Mal, beim Kegeln. Ansonsten herrscht in diesem Film Tristesse, Ausdruckslosigkeit. Man erfährt schlichtweg nicht, warum sie sich gegen das Sterben entscheidet. Es wäre viel interessanter gewesen und sowieso viel mutiger, wenn Hayakawa gezeigt hätte, wie die Älteren die Pillen schlucken und den Tod suchen. Das hätte eben die Frage nach dem Sinn des Lebens im Alter gestellt. Shunji Iwai hat diese Idee in Vampire (2011) aufgeworfen, also die Suche nach einem angeleiteten Selbstmord. Dieser Film hätte es freilich nicht auf die Screens der Flugzeuge geschafft. Aber auch ästhetisch bietet Plan 75 nicht viel. Es ist ein Film mit wenig Mut zum Risiko. Er will mit seiner Haltung und seiner Ästhetik gefallen. Das ist aber eine allgemeine Tendenz im Gegenwartskino. Sah neulich ein paar Filme von Chise Motoba 浜野佐知 [Link], eine der wenigen Frauen des Pink-Films. Die hatten wenigstens ein paar Ecken und Kanten, wenn es etwa um die Sexualität von älteren Menschen und Rollstuhlfahrern geht. Dieses Thema freilich wird in Plan 75 vollkommen ausgeblendet.

Sekundärintelligenz

Nicht nur das Wissen muss man seinen Kindern vermitteln, damit sie in Institutionen bestehen (Primärintelligenz). Sie treten in ein Reflexionsfeld ein, in dem es emotionale Interferenzen gibt, bei denen Laune, Sympathie, Befindlichkeiten, unvorhersehbare Regelsetzungen, Zufälle etc. mitunter die Auswahl bestimmen. Sie sind eingelassen in Verfügungen, die sie betreffen und aus denen sie nicht ausbrechen können. Es sind also komplexe Kompetenzen, responsive Reaktionsmöglichkeiten, innere Ruhe, ausgeglichene Emotionalität, die die offensichtlichen Fehlentscheidungen und Schlagseiten innerlich ausgleicht, die sie erwerben müssen. Dazu braucht es stetige Supervision und vor allem ein inneres Vertrauen in die eigene Person.

2023.01.24

Vortrag Michael Wetzel zum Autor-Künstler ist online!

2023.01.23

Mikroskopie-Studien

Heute hatte ich eine halbe Stunde Zeit und nutzte sie für mikroskopische Studien an Kristallen. Diese Objekte sind ausgesprochen interessant. Inmitten ihrer Symmetrien weisen sie einen Formenreichtum auf, eine Gebrochenheit und Detailliertheit. Die Photos zeigen Salzkristalle. Das vorletzte Bild ist ein Zuckerkristall.

Überlegungen zum Digitalstaat (29). Nochmal: ChatGPT

Es liegt eine unglaubliche schöpferische Kraft in dieser Mustergenerierungsmaschine Chat GPT. Natürlich ist da vieles falsch und die Gefahren sind groß, dass irgendjemand etwas Schlimmes sucht und findet. Aber viel bedeutender ist doch der unheimliche Reichtum des Möglichen, der da entsteht. Was mich in den letzten Tagen bei meinen Konversationen mit der Maschine am meisten beeindruckte, waren die Antworten in Bezug auf Korrelationen. Da wurden dann Ergebnisse angezeigt, die ich nirgendwo anders so schnell hätte finden können. Ich fragte zum Beispiel, welche russischen Filme das Thema künstliche Intelligenz behandeln - und erhielt eine hervorragende Liste, mit der ich weiterkomme. Bei Google fand ich nur amerikanische Filme, die überall stehen. Man kann auch fragen, welcher Autor welche Sprachen spricht oder sich wo aufgehalten hat. In diesen zweistelligen oder dreistelligen komplexen Fragen ist Chat GPT einzigartig. Es erweitert den assoziativen Raum wie ein Pharmakon. Man muss nur die richtigen Fragen finden. Davon hängt es ab, die Assoziationen so weit spannen als möglich. Dann segelt man durch den Datenstrom.

Metaphysik der Namen

Ich habe mich gefragt, was die größte Hürde beim Lernen des Japanischen ist. Und lange dachte ich, es sei die ungewöhnliche, oftmals situationsbezogene Grammatik, die unglaubliche Differenzierung oder die Anzahl der Zeichen etc. Aber ich meine, dass es die Metaphysik der Namen ist, die gerade den Deutschen so eine Schwierigkeit bereitet. Im Deutschen gibt es Namen, aber sie haben einen eindeutigen Bezugspol, einen einzigen Sinn. Natürlich gibt es Homonyme etc., aber diese sind dann separiert. Es sind zwei Wortbedeutungen, die nur in einem gleichen Wortlaut erscheinen. Im Japanischen ist es sehr häufig, dass Namen mehrpolig gebraucht werden können, ihr Bedeutungshof ist nicht eingegrenzt, sondern vielschichtig. Man nehme das einfache Beispiel 本, hon, Buch. 本体論 aber, mit dem gleichen Zeichen, also einem Teilnamen, bedeutet Ontologie, hontairon. Wenn man nun versucht, einen Sinn darin zu sehen, dass das Zeichen einmal dies und einmal das meint, geht man fehl. Es liegt kein Sinn darin, sondern eine Konvention. Das gleiche Zeichen kann auch alleine als moto gelesen werden und meint dann Ursprung. Auch können Eigennamen, sogar mit den gleichen Kanjizeichen geschriebene, ganz unterschiedlich ausgesprochen werden. Auch das ist Konvention. Die Zeichen sind logographisch.

2023.01.22

Stanley Kubrick im Interview

Stanley Kubrick über den Atomkrieg und die Frage, ob man aus der Geschichte lernen kann: »People do not react to abstractions. They only react to direct experience.« (Nov 27, 1966 - IFH 112). Homepage Arthur C. Clarke [Link]

Friedrich Kieslers

Film Guild Cinema, New York [Link] [Photo]

Stanley Kubrick als Photograph

... er erzählte gerne Geschichten in einem Bild. Hier einige seiner Photographien aus der Library of Congress [Link]. Vieles ist noch nicht digitalisiert. Welche Schätze liegen da noch? Zu einem Ausstellungsbericht und Auszügen aus dem Katalog geht es [hier].

Wortlisten des Seminars Einführung in die Phänomenologie für Literatur-, Medien- und Filmwissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Roman Ingardens Sprach-, Literatur- und Filmtheorie

Im Seminar Einführung in die Phänomenologie für Literatur-, Medien- und Filmwissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Roman Ingardens Sprach-, Literatur- und Filmtheorie『文学・メディア・映画研究者のための現象学入門:ローマン・インガルデンの言語・文学・映画の理論』haben wir Wortlisten zur Phänomenologie erstellt. Dies sind einige wichtige Begriffe auf Deutsch und Japanisch:
Universum, das 宇宙 uchu
Realität, die 現実 genjitsu
Umwelt, die 環境 kankyō
Kulturwelt, die 文化世界 bunka sekai
Fremdwelt, die 異郷世界 ikyō sekai
Nahwelt, die 近い世界 chikai sekai
Fernwelt, die 遠い世界 tōi sekai

Phänomenologie des Schmeckens
Welche Geschmacksrichtungen gibt es?
süß 甘い amai
salzig しょっぱい shoppai
würzig/scharf 辛い karai
sauer すっぱい suppai
bitter 苦い nigai
würzig 旨み umami

Dimensionen der Zeit. Es gibt in der klassischen Auffassung drei Zeiten:
Vergangenheit Gegenwart Zukunft
過去 kako 現在 genzai 未来 mirai
ist nicht mehr ist ist noch nicht
Gedächtnis Anschauung Erwartung
記憶 kioku 直観 chokkan 期待 kitai

Worfeld »sehen« 見える(mieru)
schauen, blicken, sehen 目をやる (me wo yaru)
sehen, blicken 見る、見やる(miru, miyaru)
wegblicken 目を逸らす(me wo sorasu)
hinblicken 目を向ける(me wo mukeru)
schauen 見る、眺める(miru, nagameru)
seinen Blick abwenden, aus den Augen verlieren 目を離 (me wo hana)
starren 凝視する、じっと見つめる(gyōshisuru, jitto mitsumeru)
glotzen じっと見る(jitto miru)
lugen のぞく、うかがう、見張る(nozoku, ukagau, miharu)
zusehen 眺める(nagameru)
hinsehen 見晴らす(miharasu)
ansehen 見やる(miyaru)
umsehen 見回す(mimawasu)
anschauen 見やる(miyaru)
wegschauen 目を逸らす(me wo sorasu)
hinschauen 見やる(miyaru)
blicken, Ausblick, Überblick 展望 (tenbō)

Eremitisch vs. institutionell, über die zwei Wege der wissenschaftlichen Wirkung

Im Prinzip gibt es nur zwei Wege der wissenschaftlichen Wirkung. Der eine Weg ist der eremitische. Der Wissenschaftler denkt und zieht sich zurück. Er oder sie schreibt ein wichtiges Buch und dieses entfaltet durch seine in ihm dargelegten Ideen Wirkung. Der andere Weg ist der institutionelle. Man erringt institutionelle Spitzenpositionen, hat zwar jetzt wegen zahlreicher repräsentativer Aufgaben kaum mehr Zeit zum selber denken, dafür vergrößert sich der indirekte Wirkungsbereich, indem man Projekte verwirklicht, Arbeiten betreut, Institutionen gründet. Eine Mischung von eremitischer und institutioneller Wirkung ist sicherlich gut.

Patrick Tressets Zeichenmaschinen


Human Study #2 by Patrick Tresset / Artistes & Robots, Grand Palais from Natalianne Boucher on Vimeo [Homepage Patrick Tresset]

2023.01.20

Army Dreamers


Beide Videos gleichzeitig starten. Selenskiy muten.

John Cale

Ein schlechter Song... Santana reißt es raus...

2023.01.18

Das Schrecklich-Erhabene

Die Linien, die von Immanuel Kant (»Die Eigenschaft des Schrecklich-Erhabenen, wenn sie ganz unnatürlich wird, ist abenteuerlich. Unnatürliche Dinge, insofern das Erhabene darin gemeint ist, ob es gleich wenig oder gar nicht angetroffen wird, sind Fratzen.«, Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen [Link] ), über Georg Büchner (»»Liebster Herr Pfarrer, das Frauenzimmer, wovon ich Ihnen sagte, ist gestorben, ja, gestorben – der Engel!« – »Woher wissen Sie das?« – »Hieroglyphen, Hieroglyphen!« und dann zum Himmel geschaut und wieder: »Ja, gestorben – Hieroglyphen!«, [Link]) bis zu Rainer Maria Rilke (»Denn das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen, und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht, uns zu zerstören. Ein jeder Engel ist schrecklich.«, Duineser Elegien, erste Elegie [Link]) verlaufen, ermessen. Dazu Caspar David Friedrichs Das Eismeer[Link].

Hat der 99jährige Kissinger Recht?

Philip Glass, Mad Rush

2023.01.17

Luigina/Gina Lollobrigida (* 4. Juli 1927; † 16. Januar 2023)

Sie hat den Zirkus lange mitgemacht und jeder Rolle eine eigene Note gegeben. Temperamentvoll muss eine Diva sein. Sie war es. Hier in Carol Reeds Trapeze (1956)

Konfliktvermeidung durch Umlenkung der Wünsche

Man kann Konflikte und frustrierende Situationen vermeiden, indem man seine Wünsche umlenkt. Wünsche sind flexibel. Ist etwa mein Schreibtisch belegt, so kann ich ihn aufräumen. Aber ich kann mich auch einfach auf den Boden setzen und dort arbeiten. So nehme ich eine andere Perspektive ein. Würde ich den Tisch aufräumen, würde es mich Zeit kosten, die ich vielleicht nicht habe. Es würde etwas herunterfallen etc. Solche multipolaren Situationen gibt es häufig, gerade auch in der Organisation von Veranstaltungen. Wenn man dann die eigenen Wünsche etwas flexibel handhabt, kann man sehr schnell Kompromisse finden und Grenzlinien überwinden. Es gibt zwar einen Hauptwunsch, aber auch dieser hat immer kleine Nachteile. Die Nebenwünsche erfüllen nicht das, was ich mir vorstelle, sind aber oft auch interessant. Die Welt ist nicht binär aufteilbar, es gibt immer Nuancen, daher navigiert man besser in diesen Möglichkeitsräumen.

2023.01.16

Workshop Kulturelle Praktiken von Schrift

Am 4. und 5. November 2023 findet an der Meiji Universität in Tōkyō der Workshop Kulturelle Praktiken von Schrift statt. Eine ausführliche Beschreibung der möglichen Sektionen finden Sie auf der Website. Die aktuell veröffentlichten Inhalte werden natürlich weiterentwickelt und angepasst [Link]. Einreichungen sind bis 30. April 2023 möglich. Die Einzelvorträge sollen eine Länge von 20 Minuten nicht überschreiten; vorgesehen ist eine anschließende Diskussion von jeweils 10 Minuten. Abstracts im Umfang von max. einer DIN-A4-Seite (ca. 2500 Zeichen inkl. Leerzeichen) können ab sofort (unter Angabe der E-Mail-Adresse, Affiliation und Website oder Kurzbio-/bibliografie) eingereicht werden. Eine Veröffentlichung der Beiträge ist vorgesehen.

Überlegungen zum Digitalstaat (28). Das Unheimliche steht vor unser Augen. Meine Erfahrungen mit Chat-GPT

Zur ›künstlichen Intelligenz‹ Chat-GPT der Firma Open AI wurde in den letzten Wochen viel geschrieben [Link]. Ich möchte meine Ideen schildern. Zunächst glaube ich, dass diese Software optimiert werden wird und den klassischen Suchmaschinen Konkurrenz macht. Auch die Suchmaschinen arbeiten mit KI, aber diese besteht in einer Verlinkung zu pluralen Internet-Dokumenten, von diesen externen zugelieferten Daten ist Google abhängig. Chat-GPT aber ist autonom und zentral, verlinkt nicht, ist auch nicht mit dem Internet verbunden, sondern hat dieses nur als Trainingsmaterial des neuronalen Netzes verwendet. Man weiß nicht, welche Quellen da genau benutzt wurden und davon hängt viel ab. Aber das, was die KI schreibt, ist keine Kopie von Texten aus dem Netz, sondern ein generiertes Sprachmuster, das auf ein Fragemuster hin erzeugt wird. Wohlgemerkt: Es ist keine Antwort, die KI versteht den Sinn nicht, sondern gleicht nur Wahrscheinlichkeiten von Mustern ab und generiert Bezüge. Derzeit funktioniert das Programm nur mit Texten, wie früher das gesamte Internet auch. Aber es ist leicht vorstellbar, dass man es auf eine Bild-, Sprach- und Musikerzeugung hin erweitert und diese Unterfunktionen kombiniert, dann wird es sich einem Avatar annähern. In Sachen Bilderzeugung ist man bei OpenAI auch schon dabei, mit Dall-e [Link]. Die Konkurrenz zur Suchmaschine besteht darin, dass es einfacher ist, eine Frage einzugeben und man dann scheinbar eine passende ›Antwort‹ erhält, die man nochmals vertiefen lassen kann, erweitern etc. Für die Alltagsanwendung scheint dann Chat-GPT viel besser und effektiver zu sein als eine Suchmaschine, wo ich ja die Ergebnisse selbst bewerten muss. Und da werden sicherlich die gewöhnlichen User diesen Weg wählen. Sie wollen im Internet eine Frage beantwortet haben, das bietet die KI optimierter und passender als die Puzzleteile der Suchergebnisse. Chat-GPT ist also momentan eine Art lebendiges Konversationslexikon. Wer natürlich fachlich etwas sucht, wird die Quellen unbedingt kennen wollen, die das Wissen erst zertifizieren. Die Frage ist natürlich, was passieren würde, wenn Chat-GPT zu einem Standard würde, etwa wie der Brockhaus. Dann wäre es sehr schwierig, die Ergebnisse zu kritisieren oder zu hinterfragen, sie hätten institutionelles Gewicht.
Zunächst einmal ist es faszinierend zu sehen, dass Chat-GPT die allermeisten Sätze, und das in mehreren Sprachen (Japanisch, Deutsch und Englisch habe ich geprüft) grammatikalisch richtig schreibt und auch Aussagesätze in Fragen umformulieren kann. Übersetzungen sind kein Problem:
Übersetze den Satz "Ich lese ein Buch." in zwanzig Sprachen.
Es folgen Übersetzungen in zwanzig Sprachen. Auch mehrdimensionale Fragen werden unglaublich gut prozessiert. Auf meine Frage
Schreibe eine Science Fiction Geschichte von einem Vogel, der zum Mond fliegt. Schreibe fünf Sätze.
wird eine ganze Geschichte generiert. Dann kann die KI aus der Geschichte auch einen Dialog machen, also ein Theaterstück. Fehlerfrei. Man müsste nochmal prüfen, wie typisiert das Ganze ist. Aber ich finde, dass diese Geschichte schon wirklich gelungen ist und man sie einem Kind vorlesen könnte. Auch meine Bitte, einen Songtext über die Mondlandung zu schreiben wird ganz gut beantwortet. Auch Zusammenfassungen macht die KI:
Fasse Tolstois Krieg und Frieden in einem Satz zusammen.
Die Antwort passt. Ein großes Problem der KI ist, dass sie nichts versteht und manchmal das Gegenteil dessen prozessiert, was richtig wäre:
Was ist "Zeitraffung"?
Teilweise stimmt das, aber »Zum Beispiel kann die Zeitraffung verwendet werden, um eine schnelle Bewegung langsamer erscheinen zu lassen« ist einfach Nonsense. Und Chat-GPT bemerkt den Widerspruch natürlich nicht. Das ist mir öfter aufgefallen. Problematisch ist eben, dass die KI nicht wie wir Menschen in einer Lebenswelt verortet ist. Einfachste Zusammenhänge können nicht generiert werden. Widerspricht man dann bei richtigen Antworten, bringt man die KI vollkommen durcheinander. Diese lebensweltlichen Bezüge haben eine eigene Signatur, die nur sehr schwer simuliert werden kann. Bekanntlich sind links und rechts Anschauungsformen, die eben menschlich sind und die man nicht berechnen kann, genauso wenig wie das Bewusstsein:
Wenn ich vor dem Spiegel meine linke Hand hebe, erscheint diese dann links oder rechts?
Es folgt eine Antwort mit Hilfe der Optik, was aber bekanntlich in Paradoxien führt, man denke an René Descartes Schaubilder. Aber die Antwort entspricht der Anschauung. Meine Nachfrage verwirrt die KI nicht:
Also erscheint mein Kopf, wenn ich mich im Spiegel sehe, auf dem Boden, richtig?
Erst als ich widerspreche und die KI belüge, Unsinn erzähle, sagt die KI das Gegenteil von dem, was sie vorher behauptet hat:
Das stimmt nicht! Wenn ich mich im Spiegel sehe, erscheint mein Kopf unten! Meine Füße sind dann oben, eben spiegelbildlich!
Es folgt eine Entschuldigung der KI und die Behauptung, dass mein Kopf im Spiegel auf der unteren Seite (!) erscheinen werde. Die KI kann meine Lüge also nicht erkennen und übernimmt diese als gegeben. Welche fatalen Folgen kann das haben, wenn diese Aussage in die Realwelt driftet! Ist nicht die ganze Debatte der Verschwörungstheorien ein Seiteneffekt der KI's? Die KI hat kein Gespür dafür, dass Wahrheit ein hohes Gut ist, sie ist nicht irritiert, wenn sie sich selbst widerspricht und empfindet es überhaupt nicht schlimm, belogen zu werden.
Ein großes Problem der KI ist auch, dass man Fragen eingeben kann, die etwa Verbrechen betreffen oder Betrug. Es muss also eine Sicherheitsschranke geben, dass die KI keine Antwort ausgibt auf die Frage, wie man eine Bank überfällt oder eine Atombombe baut etc. Aber diese Fragen dürfen auch nicht fiktiv beantwortet werden, etwa wenn man sagt, man wolle eine Geschichte über etwas hören. Diese Zensur aber kann nur von Menschen unternommen werden, händisch. Das ist meiner Meinung nach das größte Problem an der Sache. Wer will wissen, welche schlechten Dinge man mit der KI anstellen kann? Positiv gesprochen ist es eine Antwortmaschine, negativ gesagt aber auch eine Betrugsmaschine, die Texte eines Menschen plagiiert. Man hat den Weg gewählt, sehr vorsichtig zu sein. Aber das Wissen ist ja in der KI vorhanden. Es entsteht so ein digitales Unbewusstes, das eigene Regeln hat, die wir nicht kennen (zum Begriff siehe die Ausführungen von Konrad Becker [Link], siehe hierzu auch die Homepage des World-Information Institute [Link]). Wer der KI dieses Unbewusste entlockt, traumhaft vielleicht, wird Übles anstellen können. Ist es ausgeschlossen, dass Menschen mit krimineller Energie eine KI ohne diese Zensur programmieren/trainieren? Dann wäre es meiner Meinung nach unglaublich wichtig, eine abgeschottete KI zu haben, die nur einer kleinen Gruppe zugänglich ist, die auch diesen Fall simulieren kann. Besser wäre es, man würde warten mit dem Einsatz der KI. Die Fortschritte sind so groß, dass das Risiko unkalkulierbar ist.
Hinzu kommt etwas, was ich Biasing nennen möchte, das ist eine gewisse Färbung. Ich meine, dass die KI eine gewisse Stimmung vermittelt. Manche Sätze scheinen mir eher dystopisch, negativ zu sein. Egal, wie man die KI einstellt, sie wird immer eine Gefühlsfärbung in die Außenwelt geben. Stanley Kubrick hatte in seinem unglaublichen Film 2001. A Space Odyssey (1968) eine KI namens HAL dargestellt. Es zeichnet diese aus, was auch bei Chat-GPT auffällt. Die KI ist unendlich geduldig. Man kann es auch anders formulieren: Sie geht mit der Lebenszeit der Benutzerinnen und Benutzer verschwenderisch um. Die Antworten sind manchmal viel zu lang, sie gleichen Gesetzestexten. Sie kann keine Alltagssprache, fasst sich nicht kurz, weil sie nicht spürt, was wichtig ist. Würde man ihr das beibringen, so wäre dies ethisch fragwürdig, warum man eine Maschine schlechter macht, als sie eigentlich ist.
Ein weiteres Problem ist die Konzentration bei einem Konzern. Man muss sich mit Telefonnummer registrieren. Niemand weiß, was man zitieren darf. Die Angst in den Medien ist offenbar groß, denn lange Protokolle, die man veröffentlichen könnte, habe ich in den Internet-Zeitschriften nicht gefunden. Und so halte ich es auch, indem ich lieber die schönen Songs, Gedichte, Geschichten nicht veröffentliche.
Man kann vieles anstellen, Korrellationen erfragen, welche japanischen Schauspieler in Deutschland bekannt sind oder wie viele Deutsche in Tōkyō leben und erhält zumindest plausible Antworten. Auch programmieren kann die KI, Programmcodes in Javascript und HTML und wer weiß noch in welcher anderen Sprache können generiert werden. Das Unheimliche steht vor unser Augen.

Sprache und Verantwortung

Im Begriff Verant-wortung steckt es schon, man verantwortet Handlungen, indem man diese sprachlich begründen und erklären kann. Es gibt aber auch ein interessantes Phänomen. Werden in Gruppen, in Gremien und Kommissionen Entscheidungen getroffen, so gibt es manchmal Kontroversen. Derjenige, der in diesen Momenten für eine bestimmte Entscheidung wirbt, wird als der Verursacher der Folgen betrachtet. Sind diese positiv, so wird dies in der Regel als Normalfall betrachtet. Wenn aber die Folgen negativ sind, so wird sich meistens nicht die Gruppe als Ganze in der Verantwortung sehen (obwohl es vielleicht zu einer Abstimmung kam), sondern sie teilt sich. Dann wird derjenige, der die Meinung vertrat, als Urheber der negativen Konsequenzen betrachtet. Man verschmilzt gewissermaßen Sprache, Zukunft, Gefühl und unterstellt eine Kausalstruktur, wo doch in Wirklichkeit die Horizonte offen waren.

Peter Lehmann Barossa Portrait 2019, Cabernet Sauvignon

Dieser australische Rotwein ist wirklich großartig. Die besten Rotweine sind meiner Meinung nach die italienischen, dann die argentinischen und dann die spanischen. Dieser schmeckt wie ein kräftiger chilenischer Wein, gemischt mit dem etwas leichteren argentinischen, hat eine angenehme Intensität. Man kann ihn, so paradox es klingt, als herb-süss beschreiben, wobei der Geschmack wie eine Melodie im Gaumen schwebt und sich lange hält. Es gibt da eine komplexe Zeitschichtung von der Frucht zum Erdigen und ein schöner Nachhall wie in guten Konzertsälen. Dieser Wein ist ein spielerisches Geschmackserlebnis.

2023.01.15

Stanley Kubricks Eyes Wide Shut

Gerade suche ich Literatur zu Stanley Kubricks Eyes Wide Shut und fand die interessante Studie im Open Access Verhüllte Schaulust von Julia Freytag [Link]. Ich wusste nicht, dass G.W. Pabst auch eine Verfilmung von Arthur Schnitzlers Traumnovelle plante. Die Tagebücher Schnitzlers sowie seine Briefe sind im Internet ganz wunderbar ediert. Großartige Arbeit! [Link Tagebücher][Link Briefe]
Da gibt es noch Hilge Landweers Arbeit Scham und Macht (1999). Ein Gespräch von Landweer mit Michel Friedman ist auf Youtube [Link]. Weitere sehr lesenswerte Online-Publikationen von Claudia Benthien über Körperlichkeit und Gefühl im OA hier [Link]

2023.01.12

Jeff Beck (*24.6.1944 †10.1.2023)

Bis vor kurzem ging er noch mit Johnny Depp auf Tournee. Großartiger Gitarrist. Ich mag seinen Sound, das Spiel unnachahmlich.

Was wäre, wenn...

Gerade schreibe ich über Edgar Reitz Die Zweite Heimat und frage mich, was ich getan hätte, wenn ich zu jener Zeit, in den 1960er Jahren, gelebt hätte. Das ist nicht einfach. Aber die Welt ist doch seitdem natürlich viel differenzierter geworden und komfortabler. Aber sie ist auch ärmer geworden an sozialem Vertrauen und kollektiver Aktivität. Spätestens seit Corona hat sich das nochmal beschleunigt, war aber Jahrzehnte vorher schon präsent. Die Menschen leben in ihr isoliert wie in einem Verlies, das sie vor Krankheit schützen soll. Die meisten gestehen sich das nicht ein. Aber man merkt es an den kleinsten Gesten, wie sie sich fühlen. Ich hätte sicherlich die Doors gehört und Jimi Hendrix, wie jetzt auch, Luigi Nono, wie jetzt auch. Aber was hätte ich gemacht? Wen hätte ich getroffen? Wenn ich in Tōkyō gelebt hätte, wie sähe die Stadt aus? Die Menschen waren doch anders drauf. Sie sprachen miteinander, feierten, machten Partys. Es war ein anderes Leben. Man müsste nochmal in Ian Burumas A Tōkyō Romance. A Memoir (NY 2018) hineinschauen. Da würde man wahrscheinlich Ideen bekommen, was man getan hätte.

2023.01.10

Roppongi Crossing im Mori Arts Center

Die Ausstellung Roppongi Crossing (1.12.2022-26.3.2023) [Link] ist eine Wunderkammer. Hier einige interessante Arbeiten, die ich sehr mochte.
Aoki Chies (* 1981) [Link] Skulpturen erinnern an Luigi Colanis Designentwürfe. Sie sind edel und zeigen schlafende, ruhende und fallende Menschen, die zu Klumpen mutieren. So etwa die Body-Skulpturen.
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Aoki Chie: Body
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Im Raum mit Ishiuchi Miyakos (* 1947) [Link] Photographien hielt ich mich gerne auf. Besonders die Yokosuka Story aus den 1970er Jahren fand ich interessant, auch die anderen Arbeiten, die ihre frühere Wohnung und deren Nachbarschaft zeigen. Es gibt da eine ehrliche Stimmung in den Bildern.
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Ishiuchi Miyako: 1-9-4-7-/Moving Away
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Das Side Core/Everyday Holiday Squad-Kollektiv [Link] hat eine verspielte Neonlicht-Installation mit einem Video verbunden. Diese Installation besteht aus Warnlichtern, die es hier ja so viele gibt. Es entstehen merkwürdige Zeichen und zeitliche Schleifen wie bei Nam June Paik, das hat sprichwörtlich Energie.
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Side Core/Everyday Holiday Squad: rode work ver.tokyo
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Ein Künstler, dessen Arbeiten mich ebenso beeindruckten, waren die Öl- und Acrylmalereien von Inose Naoya (1988) [Link]. Das sind Bilder wie aus einem Science-Fiction-Film, kitschig wie ein Perry Rhodan-Cover, überzeugend wie eine Nature-Illustration und vieldimensional wie ein komplexes Videospiel. Sicherlich hat er sich mit romantischer Malerei beschäftigt, irgendwie erinnert mich das auch an Gerhard Richters Farbschattierungen seiner Sils Maria-Serie.
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Inose Naoya: Plate 1 blue and white X Homage for Richard Diebenkorn (2021), Vacation on the Blue (2021), Romantic Depression (2020)
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Nachlese Odaiba

Hier ein paar Endlosschleifen-Gifs, die ich letzte Woche in Odaiba machte. Leider spielen nicht alle Browser diese fehlerlos ab...
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Achtungsverlust, Prestige und das Problem der Philanthropie

Das Problem der Philantropie ist nicht nur die bloße Einstellung der Menschen, dass es scheinbar nur wenige gibt, die anderen helfen wollen. Es gibt auch ein Gefälle in der Achtung der Anderen. Ein Beispiel: Ein reicher Unternehmer hilft einem armen Menschen vor den Augen seiner Unternehmerfreunde. Er wird, wenn er dies nicht in Distanz, sondern in Hingabe an die Armen macht, in deren Achtung sinken. Das liegt daran, dass das Prestige sich selbst schützt. Der Aufstieg ist mit einem bestimmten Habitus und Anzeichen des Prestiges verbunden, er sichert die Stellung symbolisch ab. Die Assoziation mit Niederen gefährdet daher dieses fragile Gleichgewicht. Der Achtungsverlust ist die Kehrseite des Prestiges. Nur wenigen gelingt es, beides zu verbinden. Diese genießen, vor allem nach ihrem Tod, ein hohes Ansehen.

Brasilia, das war mal eine Utopie von Oscar Niemeyer

Aber was ist daraus geworden?

2023.01.05

Open-Source-Software gefährdet durch Kontrollmanie der EU

Stefan Kremp schreibt am 27.12.2022 in Heise online: »Die EU-Verordnung zum Kampf gegen sexuellen Kindesmissbrauch würde mit Kernvorhaben wie der Chatkontrolle nicht nur Grundrechte aushebeln, sondern auch freie Software ausbremsen und die Open-Source-Community hart treffen. Auf diesen noch unterbeleuchteten Aspekt in der Debatte über das Vorhaben der EU-Kommission und die damit verknüpfte ›akute Gefahr‹ haben Entwickler und Vertreter der Szene hingewiesen.« [Link]. Man kann nur hoffen, dass sich die Vernunft gegenüber der Kontrollmanie der EU durchsetzt. Sonst ist auch die letzte noch demokratische Linux-Infrastruktur massiv gefährdet. Dann blieben nur noch drei große Unternehmen mit ihren Betriebssystemen (Google, Microsoft, Apple). Aber die Tendenz der Zensur und Kontrolle besteht schon seit Jahrzehnten. In meinem neuen Buch zum Digitalstaat werde ich diese Mechanismen herausarbeiten.

2023.01.04

Tausend Sonnen in Odaiba


Zeichnung auf der kleinen Insel Odaibakoen. Sie diente früher der Verteidigung Japans vor der amerikanischen Flotte.

Floris Weber über Hypnose und Psychedelika

2023.01.03

Alfred Hitchcocks Vertigo (1958) nach langen Jahren wieder gesehen

Und immer noch fasziniert mich dieser Film wegen seines Detailreichtums und diesem ständigen Changieren zwischen Real- und Traumwelt. Man müsste einmal Kim Novaks Auftreten genauer analysieren, ihr Make-Up, ihre Kostüme, die Frisur, die Schuhe, ihr ständiges Wegblicken etc. Das sind alles Zitate, so wie sie der Film im Museum zeigt und sie aus dem Bild zitiert, so zitiert Hitchcock in ihrem Auftreten die Jahrhunderte, aber auch bestimmte Gefühlslagen.

2023.01.01

Ein frohes neues Jahr!

Lieber Leserinnen und Leser dieser Seite,
ich wünsche Ihnen ein frohes, gesundes, glückliches, erfolgreiches und ruhiges neues Jahr! 明けまして御目出度う!
Andreas Becker

Über diese Seite

In meiner Arbeit Gefühl und Alterität unternehme ich den Versuch, in philosophischen Miniaturen alltägliche Gefühlsmomente darzustellen. Das Buchprojekt im Büchner-Verlag ist als Serie angelegt. Veröffentlicht sind bereits 1.999 Notizen. Die Miniaturen sind nicht abgeschlossen. Man soll sie diskutieren, weiterdenken, hinterfragen und ergänzen. Auf dieser Webseite veröffentliche ich einige Fragmente, die dann in den dritten Band einfließen werden. Da ich unter keinem Zeitdruck stehe, warte ich so lange, bis ich meine, der Band sei nun reif für die Publikation. Wenn Sie mir eine E-Mail schreiben möchten, erreichen Sie mich unter Andreas Becker, beckerx[at]gmx.de. Zur meiner persönlichen Homepage geht es hier https://www.zeitrafferfilm.de/.
Hier finden Sie die Seite des Büchner-Verlags. Hier finden Sie einen Überblick über alle meine Projekte im Büchner-Verlag. Die bislang entstandenen Youtube-Videos:

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