Blog von Assoc. Prof. Dr. Andreas Becker, Tōkyō. , Zurück zum Blog

Stream-of-Consciousness-Vorträge

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Ders. (2025): Das sich selbst erzeugende Archiv. Überlegungen zur ‚künstlichen Intelligenz‘ und der
 Industrialisierung des Geistes, Stream-of-Consciousness-Vorträge V, Internetpublikation
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[pdf Low Res, 13 Mb]
[epub, 67 Mb]

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Ders. (2022): Imaginationswellen. Überlegungen zum Internet, zur ‚künstlichen Intelligenz‘ und dem Digitalstaat, Stream-of-Consciousness-Vorträge IV, Internetpublikation
[pdf High Res, 12.4 Mb]
[pdf Low Res, 3.5 Mb]
[epub, 29.7 Mb]

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Andreas Becker (2022): Heraklit am Sumidagawa. Objektive und subjektive Zeit/Photographie und Film/Erinnerung, 2. Auflage, Stream-of-Consciousness-Vorträge III, Internetpublikation
[pdf High Res, 7.1 Mb]

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Ders. (2022): Frieden und Krieg. Strategien der Konfliktvermeidung/Über die Dynamik von Liebe und Hass/Bilder des Krieges, Stream-of-Consciousness-Vorträge II, Internetpublikation
[pdf High Res, 1.3 Mb]
[pdf Low Res, 524 Kb]

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Ders. (2022): Stilles Sprechen. Eine Phänomenologie der Gedanken/Überlegungen zum Meta-Wesen Staat, Stream-of-Consciousness-Vorträge I, Internetpublikation
[pdf High Res, 38 Mb]
[pdf Low Res, 12 Mb]

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Ders. (2021): Digitalstaat. Skizzen 1-20, Internetpublikation
»Derzeit werden in einem ungeheuren Tempo hoheitsrechtliche Aufgaben des Staates, die vormals institutionell gebunden waren und parlamentarisch kontrolliert wurden, auf Programmcodes transferiert. Ich nenne diese neuartige Erscheinungsform Digitalstaat
[pdf. Digitalstaat. Skizzen 1-20]
[epub. Digitalstaat. Skizzen 1-20]

Ders. (2020): Was ist ein Bild? Eine phänomenologische Antwort, Internetpublikation In diesem neunseitigen Script skizziere ich eine phänomenologische Antwort auf die Frage »Was ist ein Bild?« Dabei nehme ich insbesondere Bezug auf Edmund Husserls phänomenologische Theorie.
[pdf. Was ist ein Bild?]
[epub. Was ist ein Bild?]

2026.01.08. Ohne sie sind wir unsichtbar. Über Dynamiken

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Hier ist das Transkript⤵ Ich halte mal wieder einen Stream-of-Consciousness-Vortrag, diesmal geht es um Dynamiken. Das scheint mir ein sehr wichtiges Thema zu sein. Wenn man Dynamiken entfachen kann, dann hat man Macht. Es geht aber immer auch darum, dass man diese Dynamiken steuern kann. Und steuern kann man sie nur, wenn man sie versteht. Aber ohne Dynamiken, glaube ich, kann man keine Macht gewinnen, keine Veränderungen erzeugen. Man wird unsichtbar, eigentlich, ohne Dynamiken. Auf die Idee mit diesen Dynamiken bin ich gekommen beim Silvesterfeuerwerk. Da hatten wir Wunderkerzen. Diese Wunderkerzen, die sind tatsächliche Wunder-Kerzen. Wenn man es einmal geschafft hat, sie anzuzünden, dann gehen sie von selbst gar nicht mehr aus. Es ist wahrscheinlich sehr schwierig, sie zu löschen. Da ist also schon eine gewisse Dynamik in diesem Feuerwerk, dass also diese Kerze von alleine brennt, bis sie ver-brannt ist. Es gibt dann noch diese Sekundärreaktion. Ich habe mir das mal aufgeschrieben, woraus sie besteht. Sie besteht aus einem Stahldraht in einem Oxidationsmittel, Bariumnitrat, Eisenpulver und Aluminiumpulver, das ist mit einem Bindemittel versehen. Es gibt also eine Sekundärreaktion, dass also nicht nur die Kerze selbst brennt, sondern es entstehen auch solche Funken. Das wäre die zweite Dynamik. Wir hatten das, weil es auf Silvester recht windig war, hatten wir das so gemacht, dass wir diese Kerzen aneinander angezündet hatten. Eine ließ sich sehr schwer anstecken mit dem Feuerzeug. Dann hatten wir also mehrere Wunderkerzen, jeder hat eine gehabt, wir waren zu viert, an eine Brennende gehalten. Und so war nochmal eine gesteigerte Dynamik zu beobachten. Die Kerzen brannten und steckten einander an. Man könnte das für vervielfachen und tausende Wunderkerzen in kürzester Zeit mit dieser Methode anzünden. Die Frage ist dann natürlich auch, ab einem gewissen Punkt bricht die Dynamik aus. Da können Unfälle passieren, es können Brände entstehen. Beim Feuerwerk, wenn man mal ein Knallfeuerwerk nimmt, Böller, dann besteht die größte Dynamik darin, dass es gar keine Zeit mehr gibt, eine ganz kurze Zeitspanne für die Reaktion, das fand ich so interessant. Wie gesagt, wenn man heute politisch etwas verändern will oder in irgendeiner Weise wissenschaftlich sich Gehör verschaffen will oder so, da braucht es immer die Dynamiken. Es genügt nicht, dass man eine These hat, sondern die These muss von anderen aufgegriffen werden und die müssen sie dann weiter verbreiten. Dieser Mechanismus ist doch immer auch ähnlich, diese Struktur. Wenn man beobachtet, wie das bei der Wunderkerze ist, da ist es so, dass das gleiche Material sich aneinander anzündet, diese Art von Homogenität braucht es, scheint es mir doch. Es muss ein Material dem anderen ähneln, im einfachsten Fall. Und dann kann es sich aneinander entzünden. Wenn ich an die Wunderkerze ein Stück Eisen halten würde, würde es sich nicht entzünden. Es wäre eben ein anderes Material. Diese Frage scheint mir ganz wichtig. Erstmal das zu entdecken, wo ist das gleiche Material? Was kann sich an was entzünden? Was kann sich an was entzünden? Das sind jetzt physikalische Dynamiken. Es gibt bei Ovid eine Geschichte vom Sonnengott Helios, in den Metamorphosen ist das sehr schön beschrieben. Das ist ein Sonnenschlitten, der durchs Weltall fährt. Einen Sonnenschlitten als Gefährt. Der Sohn, Phaeton, der sieht diesen Schlitten. Es ist ein sehr prächtiger Schlitten. Und er kann ihn aber nicht lenken, nimmt ihn aber und dann verursacht er die größte Zerstörung. Ich glaube, er stirbt sogar dabei. Ich muss es nochmal nachlesen. Da sieht man so etwas, wenn es schon eine Dynamik gibt, wie bei Helios, dann ist selbst der Sohn nicht in der Lage, diese Dynamik zu übernehmen, sie zu steuern ist eine ganz eigene Frage. Wenn jemand unsere Technik nicht wüsste. Wir würden es einfach so schnell zeigen. Es kann sein, er versteht es falsch, so wie bei dieser Wunderkerze, so ist es auch hier. Die Dynamik, die braucht etwas Ähnliches und gleichzeitig muss man sie irgendwie steuern können. Wenn man sich heute Dynamiken ansieht, sind sie ganz häufig durch die Medien gesteuert, also durch die Zeitung, durch das Fernsehen, durch die sozialen Netzwerke, Influencer und so weiter. Das ist dann noch mal eine zweite Stufe. Die Medien zeigen in diesem Sinne nichts, sie zeigen nur ein Bild, ein Imaginationsbild, das nur durch eine Ergänzung, durch unsere Phantasie, unsere Imagination überhaupt zu einem Stellvertreter für etwas wird. An sich sind das nur Punkte und Schemen. Wenn man dann bestimmte Botschaften medial präsentiert, dann verursachen die bei manchen Menschen eine Reaktion. Da sind wir wieder bei der Ähnlichkeit. Ich warne zum Beispiel davor, vor der Wirtschaftskrise, dann verhalten sich auf einmal die Menschen anders. Sie kopieren das, sie imitieren das, sie reagieren auf einmal ganz ähnlich auf diese Botschaft, und dann schauen sie es sich voneinander ab, das verstärkt nochmal die Dynamik. Aber irgendwann ist so eine Dynamik am Ende, wenn das homogene Material, wie bei der Wunderkerze verbrannt ist, dann ist es nicht so klar, ob die Dynamik das zweite Medium findet, in das sie wechseln kann. Das ist immer ein Problem bei Dynamiken. Jemand hat vielleicht einen ganz fantastischen sozialen Netzwerkkanal, viele Follower, aber irgendwann hat es sich erschöpft. Aber ins Fernsehen zu gehen, das schafft er nicht. Und dann ergibt sich da nichts mehr draus. Der ganze Kapitalismus beruht auf solchen Dynamiken. Man denkt zum Beispiel, am Anfang wird eine Ware produziert, die wird verkauft, getauscht, dann wird sie gegen Geld eingetauscht, dann wird das Geld verliehen, dann geht es nicht mehr um die Ware, sondern nur noch um das Geld. Karl Marx hat das schön beschrieben, ich habe das ein anderer Stelle auch ausgeführt. Dann geht es auf einmal an die Börse, dann werden die Unternehmen selbst, also in Form von Anteilsscheinen an den Unternehmen, also Aktien, gehandelt. Dann gibt es Investmentgesellschaften, die das Kapital verleihen, lenken, Ströme lenken, Ströme des Kapitals. Es wird immer abstrakter, aber immer schneller. Im Vergleich zur Frage, ob jemand eine Ware verkaufen oder nicht verkaufen kann, dann geht es vielleicht darum, dass ein Unternehmen, das vielleicht Hunderttausende oder Millionen Mitarbeiter hat, pleite geht, weil es kein Kapital, keinen Kredit mehr bekommt. Bei Krediten ist es auch immer die Frage, warum gibt man den Kredit und warum nicht? Das kann zu ganz merkwürdigen Effekten kommen. Es gab damals den Leo Kirch. Der hat einen Prozess angestrengt gegen einen Bänker. Es gab ein Interview von einem Bänker. Ich weiß es nicht genau, ich muss es nochmal nachschauen. Der sagte sinngemäß, wir wissen nicht, ob wir ihm noch einen Kredit geben können. Dann sagte Leo Kirch, aber deshalb habe ich jetzt mein Unternehmen verloren, weil ich habe den Kredit nicht bekommen, weil der das gesagt hat. Es gibt bei diesen Dynamiken immer so etwas, wenn sie menschlich werden, sozial, dass wir uns dem nicht entziehen können, das sind Wellen. Eine Welle ist auch eine dynamische Struktur. Das sind so Wellen, auf denen wir schweben, die uns mitreißen, die auch verschiedene Bereiche erfassen, ich sagte schon, das Medium muss gewechselt werden, manchmal stoppt es das, manchmal auch nicht. Das hier ist das Blaulicht des Rettungswagens, die ist schon so laut, die Sirene, dass sie alles durchdringt, man muss sich die Ohren zuhalten. Man sagt sich, wenn die nicht so laut ist, dann werden wir nicht gehört, dann können wir nicht so schnell fahren, wir wir müssten, deshalb muss es immer lauter werden. Die Autos heute sind eher schallgeschützt, dann wird es eben nochmal lauter. Die Fußgänger, die am Straßenrand stehen, die haben das Nachsehen, die müssen sich die Ohren zuhalten. Bei den Medien ist es so, dass es so einen Wunsch gibt, der erstmal unbewusst ist, überhaupt das Medium zu konsumieren, eine Erfüllung des Wunsches, eine Scheinerfüllung. Sie sehen das auch. Sie schauen das auch an. Dann gibt es dann solche Strukturen, die das doppeln, den Star. Der Star ist enthoben, er repräsentiert das Ideal in seiner Person. Wenn der Star dann auftritt, dann gibt es wiederum eine Massendynamik, alle wollen den Star sehen. Wir wissen alle, so ist er gar nicht als Mensch, das ist nur ein ideales Bild, aber dennoch wünscht man es sich doch, es soll so sein. Generell könnte man sagen, dass es negative und positive Dynamiken gibt. Positive Dynamiken wären Dynamiken des Glücks. Ich kann auch Menschen glücklich machen. Ein negative Dynamik wäre eine des Krieges, zum Beispiel, Krankheiten, Ansteckungen. Wenn man mal überlegt, man hat eine Dynamik. Sie wäre wirklich eine eigene Frage, die müsste man dann spezifisch stellen, wie eine Dynamik vergrößert werden kann und unter welchen Bedingungen, welchen Bereichen. Aber die andere ganz wichtige Frage ist ja, wie man Dynamiken, zum man zum Beispiel Kriegsdynamiken, wie man die in Friedensdynamiken umwandeln kann. Da gibt es, glaube ich, verschiedene Techniken. Eine Technik wäre die Passivität. Dass man so eine Stärke hat, dass man nicht affiziert wird von der Dynamik. Wenn genügend Menschen so sind, dann breitet sie sich gar nicht aus, Passivität. Ein anderer Weg wäre, dass man ausweicht, ein zweites Medium hat, man wechselt, dass man sich sagt: Das ist mir doch egal, ob es da eine Dynamik gibt! Ich benutze ein zweites Medium! Wie der Stromausfall zum Beispiel, jetzt kürzlich in Berlin. Da könnte man sagen, gut, dann produziere ich den Strom halt selbst. Solar auf dem Dach, dann bin ich unabhängig. Ich wechsle das Medium. Oder ich mache mir ein Feuer. Eine andere Möglichkeit wäre, intellektuell die Struktur zu erkennen und dann Vorkehrungen zu treffen, vielleicht technischer Art. Oder sie zu verstehen, das Motiv zu verstehen, warum man die Dynamik eingegangen ist, das wäre auch möglich. Die Dynamiken zu löschen. Oder im Vorhinein zu immunisieren. Bei Viren geht das ja. Viren breiten sich schnell aus, aber wenn man immunisiert ist, dann schaffen sie das nicht. Es ist auch leichter, ein negative als eine positive Dynamik in Gang zu setzen. Es ist immer leichter zu stören. Zum Beispiel die Provokation. Jemand beschimpft den anderen, dann führt das meistens, vielleicht zwangsläufig dazu, dass der andere dann zurück schimpft. Und wenn man dann wieder eine Reaktion zeigt, dann kann das ganz schnell in Gewalt münden oder das ist schon Gewalt, Sprachgewalt bereits geworden. Das kann man dann auch sehen, eine Massenschlägerei, diese Art von Dynamik. Manchmal ist es auch so. Es rastet ein. Man sagt sich, das muss doch so sein. Ich muss es immer wieder anwenden, immer wieder. Zum Beispiel, man hat eine Bürokratie. Man versucht durch die Bürokratie nochmal einen Bürokratieabbau herbeizuführen, das kann eigentlich nicht funktionieren. Es wird immer mehr Bürokratie geben. Die größte Dynamik… Ich hatte schon von der Homogenität gesprochen, die notwendig ist. Aber das ist etwas, was man im Gegensatz zur Wunderkerze bei medialen Dynamiken hat, dass man die Dynamik auch innerhalb des Mediums nochmal spiegeln kann. Das ist so wie ein Feedback-Loop, eine Rückkopplung. Dadurch verstärken sich die Dynamiken natürlich nochmal enorm. Das also ein medialer Effekt verursacht wird, und dann wird nochmal darüber berichtet und das geht dann vielleicht durch ganz verschiedene Medien durch. Das ist sicherlich auch ein Grund, warum das so eine Stärke hat, dieses Influencertum. Das Fernsehen auch. Sie ist vielleicht überhaupt nicht glaubwürdig, die Nachricht, aber wenn es dann jemand anderes nochmal aufgreift und thematisiert, dann geht es immer weiter. Bei einem Feedback-Loop, da muss man höllisch aufpassen. Wenn man ein Mikrofon nimmt, schließt es an einen Verstärker, an die Boxen, dann gibt es das immer wieder, dass das Signal, das durch die Boxen geht, wieder ins Mikrofon hinein geht und sich so selbst verstärkt, und zwar ganz schnell. Und dann gibt es eben diesen berühmten Pfeifton, aber vorher gibt es sehr interessante, eigentlich kaum berechenbare Strukturen. Man weiß gar nicht, was da passiert. Das ist das interessante beim Gitarrenspiel, bei Jimi Hendrix. Dass man da irgendwie denkt, das ist zwar gebändigt, aber nicht so richtig. Was da genau passierte, das konnte er auch nicht so genau sagen, ein Feedback-Loop. Das Pfeifen, irgendwie seine Art von Ahnung von Lebendigem. Man muss schnell aufpassen, sonst kann es dieses Pfeifen geben, dass zerstört dann alles. Das ist ja bei Dynamiken so, zum Beispiel der Atombombe, eine Kettenreaktion, eine Verbrennung, die eine neue Verbrennung und wieder eine neue verursacht. Dass es dann einen Atomblitz gibt. Das ist vielleicht das Sinnbild von einer Dynamik, einer zerstörerischen Dynamik. Das ist die Frage. Aber, wie gesagt, um etwas zu verändern, braucht man Dynamiken, dann muss sich immer dessen bewusst sein, dass eine Dynamik aus den Fugen geraten kann, dass es daher einer Steuerung bedarf, diese Dynamik verlangsamen zu können, wie beim Ofen. Ich muss immer ein bisschen heizen, aber nicht zu viel. Man weiß nicht, an welcher Stelle da etwas Falsches passiert. Wenn man solche Sachen mal verbindet. Da ist ein Influencer, dann kommen auf einmal diese ganzen Fans und es wird wieder berichtet auf den sozialen Medien von allen. Auf einmal bilden sich innerhalb von Minuten Menschentrauben, die man gar nicht vermutete, man fragt sich, wo kommen die her, was wollen die? Da kann es viele Probleme geben, aber so etwas ist natürlich auch sehr interessant. Die Menschen sind heute in Angst und sie wollen eigentlich keine Dynamikem, und da es auch etwas ganz Schönes. Wenn auf einmal ein Mensch kommt, ein Influencer, und dann entsteht eine Dynamik. Jede Gesellschaft hat gewisse Dynamikzonen, das Fest, das Konzert, das Spiel, der Zuschauer. Das sind solche Dynamiken. Die werden eingegrenzt durch den Staat, durch die Halle, durch die Terminierung. So ganz willkürlich kann man die Dynamiken nicht wählen. Man kann erahnen, wo sie liegen könnten. Die Frage ist natürlich immer, wenn man eine Dynamik entfachen will, dann muss man selbst in die Dynamik sich hineinbegeben. Und das geht nur, wenn man ein profundes Interesse hat. Das ist immer existenziell. Man kann sich nicht mehr raushalten. Einmal hat die Dynamik begonnen und dann ist man bei der Dynamik. Und es kann sein, dass die Bereiche erfasst, die jenseits der Steuerung liegen, da muss man sehr vorsichtig sein. Wie gesagt, gerade bei diesen Mediendynamiken, bei den Influencern, die selbst über sich berichten, deren Follower dann auch wieder darüber berichten, dann entsteht ganz schnell eine Übersteuerung des Systems, ein Feedback-Loop. Ich meine, mit diesem Feedback-Loop umzugehen, das gelingt natürlich. Ich hatte schon das Beispiel Jimi Hendrix erwähnt. Man kann es schaffen. Wenn man manchmal sieht, welche Positionen in der Politik da vertreten werden, dann muss man ein Gegenfeuer legen, eine Gegendynamik machen, sonst wird man überrannt. Man kann dann die Methode des anderen übernehmen, den man bekämpfen will. Der eine Politiker macht soziale Medien, man macht das auch. Man kann auch das Gegenteil machen, dass man sagt, nein, ich bin dagegen, man kann ganz verschiedene Dinge machen. Meistens wird es so sein, dass diese Techniken übernimmt. Dann fragt man sich, ob nicht auch das Ganze auf die Botschaft ausstrahlt. Vielleicht soweit die ersten Überlegungen zur Dynamik. Man müsste sich nochmal diese verschiedene Dynamiken im Detail anschauen. Strukturen ausarbeiten. Akteure, Techniken, Sprecharten, Inszenierungsformen, auch historischer Art, wie war das vor 1000 Jahren und wie macht man das heute? Ist es ähnlich oder nicht? Da gibt es viel zu entdecken. Ich denke fast, dass man sehr große Ähnlichkeiten finden würde über die Jahrtausende, was die Dynamik anbelangt. Man sagt immer, ja, die soziale Medien, die verändern alles, aber so ähnliche Muster gab es doch auch schon früher.
2025.12.08 Wille und Gefühl
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2025.10.04 Geld und Gefühl
Stream-of-Consciousness-Vortrag über Geld und Gefühl. Was ist Geld? Was ist ein Gefühl? Was macht das Geld mit unseren Gefühlen?
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2025.09.29 Gefangen im Zeitgeist
Stream-of-Consciousness-Vortrag über die Frage, wie und warum wir im Zeitgeist gefangen sind und welche Funktion die Medien dabei haben.
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2025.09.28 Wissen und Fähigkeiten in Zeiten der KI
Improvisierter Stream-of-Consciousness-Vortrag über Wissen und Fähigkeiten in Zeiten der KI und die Frage, wie diese neu austariert werden könnten.

2025.09.09 Über relative und absolute Zufriedenheit
Improvisierter Stream-of-Consciousness-Vortrag über relative und absolute Zufriedenheit und den Beginn von Glücklichsein.
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2025.08.13 Über die Dysfunktionalität von Institutionen
Improvisierter Stream-of-Consciousness-Vortrag über Institutionen und ihre heutigen Probleme und die Wiedereinführung von Verantwortung.
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2025.08.11 Über Freundlichkeit und Höflichkeit
Improvisierter Stream-of-Consciousness-Vortrag über Freundlichkeit und Höflichkeit.
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2025.08.09 Über Glückseligkeit
Über Glückseligkeit. Improvisierter Stream-of-Consciousness-Vortrag. Benutzte Bücher: Aristoteles: Nikomachische Ethik, Übers. Eugen Rolfes, Schriften Bd. 3, Hamburg 1995. / Die Lehre Buddhas, Hrsg. Bukkyo Dendo Kyokai, Tokyo 2018 [Link PDF]
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2025.07.22 Unter der Glocke der Bilder
Unter der Glocke der Bilder. Improvisierter Stream-of-Consciousness-Vortrag über die Macht der Bilder und Handys.
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2025.07.21 Lasst die Toten frei!
Improvisierter Stream-of-Consciousness-Vortrag über Ovids Erzählung von Orpheus und Eurydike
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2025.07.19 Über Existenzereignisse
Improvisierter Stream-of-Consciousness-Vortrag über existenzielle Ereignisse und den Umgang mit ihnen.
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2025.07.12 Was ist ein Tourist?
Improvisierter Stream-of-Consciousness-Vortrag über Tourismus.
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2025.07.05 Über Rauchverbote
Improvisierter Stream-of-Consciousness-Vortrag über Rauchverbote.
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2025.07.03 Die Liebe der Scylla
Stream-of-Consciousness-Vortrag über eine Geschichte in Ovids Metamorphosen. Zitierte Ausgabe: Ovid: Metamorphosen, aus dem Lateinischen übersetzt, kommentiert und mit einem Nachwort versehen von Michael von Albrecht, Ditzingen 2021, digitale Ausgabe.
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2025.06.24 Überlegungen zum Frieden
Aus aktuellem Anlass, den verschiedenen Kriegen und Konflikten in der Welt, habe ich einige Überlegungen zum Frieden angestellt. Improvisierter Stream-of-Consciousness-Vortrag.
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2025.06.19 Stream-of-Consciousness-Vortrag über intermittierende Wartezeiten
Jeder Befehl, den ich am Computer ausführen lasse, stückelt meine Zeit... Neuer Stream-of-Consciousness-Vortrag über intermittierende Wartezeiten und ihre Auswirkungen.
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Teil 2 des Vortrags, nach einem Abendspaziergang...
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2025.01.18 Die Passivität der Selbstgenügsamkeit. Über die Möglichkeit des Friedens. Stream-of-Consciousness-Vortrag
Wenn man sich fragt, in dieser heutigen Welt, die so chaotisch zu sein scheint, voller Kriege, Konflikte, wie man in diese Welt Frieden hineinbringen kann, dann ist das eine Frage, die in dieser Grundsätzlichkeit kaum in der Öffentlichkeit gestellt werden kann.
Transkript ⤵ Jeder möchte ein konkretes Rezept haben, wie man ganz schnell die Konflikte politisch oder über Verhandlungen lösen kann. Aber mir scheinen die Schwierigkeiten grundsätzlicher Natur. Wie ist Frieden möglich? Man könnte hier wieder Kants Schrift „Zum ewigen Frieden“ lesen. Ich habe das vor ein paar Wochen gemacht. Aber das, was ich jetzt sage, geht in eine etwas andere Richtung. Ich würde sagen, eine Bedingung von Frieden ist die, dass der Mensch bei sich selbst anfängt und einen inneren Frieden pflegt. Wir sind heute nach außen gerichtet. Wir glauben, dass wir durch Produkte glücklich werden, das ist ein materialistischer Zug der Moderne. Und wenn wir ein Produkt kaufen, dann kommt das Produkt von irgendwoher, und die Produkte kommen meist heute von sehr weit her. Und damit hat man, indem man ein Produkt kauft, sich selbst glücklich machen möchte, durch den Erwerb, schon Einflusssphären tangiert. Insofern würde ich sagen, wenn man das als einen Grund des Nicht-Friedens, des Konflikts, des Krieges betrachten möchte, dass diese Einflusssphären, dass man die nicht kontrollieren kann, dass es da Schwierigkeiten geben kann, wenn man da den Grund sieht, dann sollte man das erst mal reduzieren, d.h. auch, dass man das Ganze nach außen Gerichtete reduzieren müsste, dass man sagt: Ich frage mich selbst mal danach, warum ich das glaube, dass ich da so glücklich werde, indem ich das nach außen richte, indem ich kaufe oder reise oder so etwas. Und dann wäre die andere Form, dass man das reduziert und sich sagt, ich versuche einen inneren Prozess einzugehen, der mir erlaubt, das zu steuern. Und so diese Sphären zu schonen. Sie müssen sich beruhigen. Der andere Weg wäre, dass man die Produkte erwirbt, bei denen man dieses Tangieren der Sphären auf ein Minimum reduziert. Wenn ich im Garten etwas anbaue, einen Salat, und den pflege, dann habe ich damit keinen Anspruch an den Anderen, sondern ich habe ihn selbst gepflegt, gegossen, gesät. Dadurch ist es auf eine Weise friedlicher, weil das Geld ein Mittler ist, der wie ein Filter wirkt für die Konflikte, die dahinter stehen bei der Produktion und allem.
Der andere Weg, der wäre ganz ähnlich, Frieden zu erzeugen, zu ermöglichen. Der ist, dass man diese Abstraktion des Staates, denn nur Staaten führen Kriege, dass man die hinterfragt. Wenn ich hier so liege und spreche, dann sehe ich den Staat direkt nicht. Ich stelle ihn mir vor. Auch wenn ich auf ein Amt gehe, sehe ich den Staat nicht, ich sehe Menschen, die etwas tun. Also phänomenologisch gesprochen gibt es den Staat im Alltag nicht. Es gibt Wirkungen, die sich zuordnen lassen, die sich einfach zuordnen lassen, wenn ich so ein Abstraktum wie den Staat annehme. Aber diejenigen, die im Haus sitzen, wenn die Bombe fällt, die sehen auch nicht in Staat, die sehen die Bombe, die fällt, die suchen Schutz. Aber die Ursache der Bombe ist der Staat, der Staat, der Kriege führt, Staaten, die Kriege führen, ich brauche immer zwei.
Ein Künstler, der diese Abstraktion nie mitgemacht hat, ist Max Ernst. Es gibt nicht so viele Künstler, die meisten haben sich auf eine Seite gestellt und gesagt, der Staat hat recht. Der Max Ernst hat das nie mitgemacht. Er hat gesagt, ich mache doch Kunst! Das ist das, das meinen Alltag erfüllt. Und er ist dann über Grenzen gegangen, nach Frankreich, nach Amerika, damit er diesem Krieg entfliehen konnte, aber auch diesem Denkmuster, dass ich identifiziert mit dem Staat, Angst hat, vor dem Staat, die Menschen, die in dem Staat leben, gleichsetzt mit dem Staat, was es nie gibt. Sie sind als Abstraktum Staatsbürger.
Und diese beiden Momente, bei sich selbst suchen, sich selbst befrieden und immer eine Differenz von sich selbst zum Staat sehen, diese Imaginationsleistung nicht erbringen, sich ständig zu hinterfragen, wenn das auch denen gelingen würden, die im Staat an den oberen Positionen sitzen, die also die Macht im Staat haben, solch eine Distanz zu ihrer eigenen Repräsentationsfunktion einzunehmen, das gab es schon mal, dann könnte man die Welt auch sehr schnell friedlich machen. Wenn diese Bereitschaft da wäre, dieses zu hinterfragen und einzugehen, dann wäre die Welt ganz schnell sehr friedlich. Aber wenn man das den Menschen so sagt, dann wirkt man unrealistisch. Und der Politiker wirkt schwach, der da so denkt. Das den Menschen beizubringen, dass man diese Schwäche, gewissermaßen auch Askese, dass man die eingehen muss, wenn man Frieden will, ohne dass Vorwürfe zu machen wären, dass das andere Verhalten Kriege stiftet, das ist es nicht. Nur eben diese Möglichkeit, die man hat, eigentlich ist es eine Möglichkeit des Verweigerns, des Nicht-Machens, des Nicht-Mitmachens, wenn man die ergreift, die Passivität der Selbstgenügsamkeit, dann ist er ganz leicht herstellbar, der Frieden.
Improvisierter Vortrag, live und ohne Vorbereitung oder Manuskript gesprochen
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2024.09.28 Kollektive Einsamkeit
Überlegungen im Anschluss an den regelmäßigen Besuch des Schwimmbads in Japan, improvisierter Stream-of-Consciousness Vortrag.
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2024.09.26 Die Erinnerung als zweites Ich, improvisierter Stream-of-Consciousness Vortrag, in dem ich skizziere, was Erinnerung im alltäglichen Vollzug leistet.
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2024.07.31 Überlegungen zur alternativen Nutzung der Städte
In diesem Stream-of-Consciousness-Vortrag beschäftige ich mich mit der Frage, wie man Städte menschlicher organisieren könnte.
Transkript ⤵ Gestern ist mir in der U-Bahn etwas eingefallen, ich kam auf einen Gedanken, und den möchte ich heute mal etwas ausführen. Die Hauptidee bestand darin, dass ich mal in Zweifel zog, was man von der Gesellschaft braucht. Wenn man zum Beispiel mal sieht, wie viel Fläche der Stadt, und wie viel Energie, im technischen Sinne, als elektrische Energie, aber auch im menschlichen Sinne, als Arbeit, da hineinfließt, das ist erstaunlich. Also ich hatte mich mal gefragt, wie viel von diesen Ladenflächen braucht man eigentlich? Wenn man diese Stadt Tōkyō sieht, dann besteht ein guter Teil der Stadt aus Läden. Wenn man in diese Kaufhäuser hineingeht, dann ist das eine überbordende Fülle von Dingen, die man nicht braucht. Von dem, was da angeboten wird, braucht man fast nichts. Das ist alles ästhetisch. Es gibt auch im Supermarkt, wo man Waren kauft, weil man sich ernähren muss, auch da gibt es eine unglaubliche Vielfalt von Waren, von Nahrungsmitteln, die man gar nicht unbedingt braucht. Man kann sagen, da habe ich Appetit darauf, da möchte ich meinen Geschmack verfeinern, aber es gibt eine so große Vielfalt, die die Menschen vor wenigen Jahrzehnt noch überhaupt nicht kannten. Sie war also auch gar nicht notwendig. Wenn man mal sieht, wie viel an Kleidung in diesen Läden hängt, wie viele Schuhe es dort gibt, Schmuck und alles mögliche, dann könnte man mal überlegen: Wenn die Menschen nicht so eitel wären, und sich verlieren wollten, es ist ja ein Verlieren-Wollen im Produkt, dann könnte man diese Flächen einsparen. Warum wollen die Menschen das? Sie haben offenbar diesen Anspruch. Man merkt es aber doch unmittelbar, dass diese Produkte meistens Saisonprodukte sind, Modewaren, die ein Jahr später schon gar nicht mehr getragen werden können, weil schon die neue Kollektion auf dem Markt ist. Da frage ich mich eben, wäre es nicht besser, wenn man einmal davon Abstand nehmen würde? Es gäbe dann in einem Kaufhaus eben 4 oder 5 verschiedene Schnitte von Kleidungsstücken, man kann die sich noch einfärben, besticken oder bedrucken, aber man spart das ein. Man sagt: Leute reduziert euch! Das brauchen wir so nicht. Ihr seid einander ähnlich, aber ihr seid einander auch ähnlich, die Massenkultur hat euch zu Ähnlichen gemacht. Erweckt doch nicht den Anschein, als seid ihr individuell! Ihr seid es doch gar nicht! Ihr seid doch alle verähnlicht! Nur durch die Mode möchtet ihr euch voneinander absetzen.
Wenn man das einmal schaffen würde, dass man diese Flächen frei bekäme, dann hätte man jedes Wohnproblem gelöst. In diesen riesigen Zentren, da könnten Massen an Wohnungen, in diesem Fluchten, an schönsten Wohnungen entstehen, in der besten Lage. Ich meine, es wäre natürlich zu fragen, was das bedeutet. Es ist offenbar ein Ersatzhandlung, ein Ersatzwunsch, weshalb man sich da in den Konsum stürzt, in diese Konsumwelt. Das müssten die Menschen selbst erst einmal einsehen, dass sie das gar nicht brauchen. Dass das Kaufen von Produkten sie gar nicht glücklich macht. Das müssten sie erst einmal einsehen. Und jetzt wäre die nächste Frage zu stellen, was man dann mit dieser Zeit macht. Man hätte diesen Raum genutzt, die Menschen würden dort wohnen. Aber sie wüssten eben nicht, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollten. Sie wären keine ‚Konsummenschen‘ mehr, sie würden diese Verschwendungssucht gar nicht mehr haben.
Jetzt könnte man, glaube ich, zwei Wege beschreiten. Der eine Weg wäre, dass man in die Bildung geht. Dass man die Menschen auffordert, ihnen ermöglicht, sich weiterzubilden. Mit einfachen Mitteln, auch da braucht es nicht viel, einenBlock, einen Vortrag, ein Buch. Es braucht nicht viel dazu. Man kann in ein Museum gehen, Bilder anschauen, selber Bilder malen. Also Bildung und Kreativität, man könnte künstlerisch werden, seine eigenen Fähigkeiten ausbilden und so etwas. Das wäre, glaube ich, in jeglicher Hinsicht eine gute Sache. Es würde auch CO2 einsparen, es würde diesen ganzen Müll, der dadurch entsteht, den würde es um Dimensionen verkleinern. Das wäre gut, und es würde auch eine Ruhe in die Gesellschaft hineinbringen.
Und der andere Weg, der wäre, dass man die Menschen, die völlig voneinander isoliert sind, und das merkt man ja, wenn die Menschen auf die Handys schauen. Man geht durch die Stadt und sie schauen alle nur auf die Handys. Und das ist auch ein Problem des Films heute, meiner Meinung nach. Wenn nämlich der Film das zeigt, so wie die Menschen heute sind, dann ist er langweilig. Weil es ist ja langweilig, wenn Menschen sich isolieren. Wenn man also im Spielfilm Menschen so zeigt, wie sieht tatsächlich rumlaufen, mit dem Handy rumlaufen, das wäre ein Film, den wollte niemand sehen. Also dreht man heutzutage einen unrealistischen Spielfilm, indem man so tut, als gäbe es das Handy nur zur Kommunikation. Dann erfindet man diese Gesten, die es früher gab, also Gesten der Kommunikation.
Wenn auch die Menschen diese Isolationsmedien, vor allem das Handy, einmal weglegen könnten und wollten, das ist die zweite Flucht, dann müsste man ihnen eben auch etwas anbieten. Und das wäre meiner Meinung nach ein Forum, Orte, wo sie sich begegnen könnten, als eine Möglichkeit. Es ist so, dass, wenn die Menschen sich heute einen Orten begegnen, und es sind Menschen aus unterschiedlichen Schichten, unterschiedlichen Alters, dann entstehen ganz schnell Konflikte, auch wenn sie aus der gleichen Schicht kommen, den gleichen Beruf haben und so weiter, dann stehen ganz schnell Konflikte. Meistens ist es so, wenn es ein bestimmtes Thema gibt, dann halten die Menschen es eine bestimmte Zeit miteinander aus, aber dann gibt es Konflikte, wenn es etwas zu verteilen gibt. Man hätte also diese Räume, wie könnte man nun diese Konflikte, die entstehen würden zwischen den Menschen, wie könnte man die umlenken? Da meine ich, dass der beste Weg wäre, dass man die Musik radikal aufwertet. Das also die Menschen miteinander musizieren möchten. Man muss sie locken. Sie lernen ein Instrument. Ein Instrument lernen heißt nicht in erster Hinsicht es technisch zu beherrschen, sondern es bedeutet, sich aus Freude ausdrücken zu können. Das können ganz einfache Techniken sein, wie zum Beispiel das Beatboxing, wo man mit dem Mund ein anderes Instrument nachahmt, eine Drum-Machine oder so etwas. Wenn die Menschen miteinander musizieren, dann können sie auch aggressiv sein, aber ihre Aggressionen drücken sich anders aus, sie fließen ja in eine bestimmte Ästhetik der Musik. In dieser Hinsicht wird es interessant, wenn Menschen aggressiv sind, wenn sie Musik machen. Da ist ein kathartischer Effekt damit verbunden ist, d.h. ein Effekt, der etwas hinausgibt, außerdem eine Ekstase. Vielleicht zertanzen sie dann ihre Aggressionen dann?
Diese ganzen Maßnahmen, Kreativität, Bildung, Musikalität, Musizieren, kollektives Musizieren, ein Forum schaffen, wo die Menschen sich einfach begegnen, wo sie merken: Da sind noch andere Menschen! Die kann ich ansprechen! Das ist doch etwas Schönes! Mit anderen Menschen zu sein. Es ist nicht schön, sich zu isolieren, nur auf den Bildschirm zu schauen, und irgendwelche Nachrichten auf Instagram zu lesen, sondern es ist viel, viel schöner, wenn mann merkt, da sind andere, und die sind echt. Die haben Fehler, da gibt es eine Fehlkommunikation, da gibt es eine schöne Kommunikation, da kann man lachen, da kann man weinen, da kann man einfach beisammen sein.
In dieser Hinsicht würde diese Gesellschaft die Technik nicht mehr brauchen. Man kann zusammenkommen und eine Atmosphäre der Gegenwärtigkeit ganz einfach erschaffen. Das ist vielleicht das höchste Gut der Menschen, dass sie miteinander sprechen, einander zuhören. So könnte eine Gesellschaft der Zukunft aussehen. Eine Gesellschaft, die anti-konsumistisch ist, anti-kapitalistischen ist, die anachronistisch ist, eine Gesellschaft, bei der es nicht um die Geschwindigkeit geht, um die Konkurrenz. Die ist auch überall eingeschrieben. Jedes Spiel ist ein Konkurrenzspiel. Das braucht es dann nicht mehr. Spiele können eine Freude der gemeinsamen Bewegung sein, des gemeinsamen Denkens. Aber sie müssen nicht bedeuten, dass man den anderen schlagen will, besser sein will oder über ihn triumphieren will. Nein, überhaupt nicht. Diese ganze neue Spielidee des Schöpferischen, die hätte dann erstmal einen Ort.
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